Kapitel "Spieglein, Spieglein an der Wand – nenn mir das schönste Wort im ganzen Land"

Spieglein, Spieglein an der Wand – nenn mir das schönste Wort im Land!

Es lässt die Zunge hüpfen und die Ohren flattern. Es erzeugt das schönste Kopfkino und lässt das Herz tanzen – das Lieblingswort. Wie lautet deines?  

Der Text fürs Ohr

Bleib neugierig: Ab 1.11.2021 gibt’s hier den Text fürs Ohr.
Woher die Zitate stammen …

Jutta Limbach (Hg.): Das schönste deutsche Wort. Liebeserklärungen an die deutsche Sprache. Herder-Spektrum Bd. 5801, Freiburg, Basel, Wien 2006.

Wörterbuch zum Text

Arglist

Hinterlist, Heimtücke

Einfalt

Früher verstand der Mensch darunter die “reine Beschaffenheit des Gemütes”, also etwas Gutes. Heute wird “Einfalt” im alltäglichen Sprachgebrauch eher mit “Dummheit” gleichgesetzt.

Backfisch

Früher: ein unreifes Mädchen im Alter zwischen dreizehn und siebzehn Jahren, das noch nicht “fertiggebacken”, also erwachsen war; heute: ein leckeres Fischgericht

doppelt gemoppelt

“Gemoppelt” bedeutete früher “pausbäckig, fett”. Ist also jemand “doppelt gemoppelt”, drückt das eine Übertreibung von “dick sein” aus. Heute wird doppelt gemoppelt verwendet, um auszudrücken, dass etwas überflüssigerweise doppelt ist

Firlefanz

Reimt sich auf Tanz, und das aus gutem Grund, denn es bezeichnete im 14. Jahrhundert einen närrischen Tanz. Das Wort entstand durch Übernahme des altfranzösischen „virelai“, das Ringellied bedeutet. Daraus wurde im Deutschen zunächst „firelei“ und „firlefei“, dann in Anlehnung an „Tanz“ und „Alfanz“ (= Possen, Gaukelei) schließlich Firlefanz. Die Bedeutung wurde im Laufe der Zeit von verrückter Hüpferei ausgedehnt auf Unsinn, Albernheit, Flitterkram und Tand.

Habseligkeiten

Kümmerlicher Besitz, der aus meist wenigen wertlosen Dingen besteht.

Der Musiker Gundermann trug immer einen kleinen Metallkoffer, darin seine Habseligkeiten, mit sich und sagte einmal dazu:

»Ich habe nie das, was ich will, aber immer das, was ich brauche«

Gerhard Gundermann

Halligalli

bezeichnet heute ein ausgelassenes Treiben, ein fröhliches Miteinander. Seine englische Herkunft sieht man dem Wort nicht mehr an: Der Hully Gully war ein Modetanz der 1960er Jahre, dessen Wurzeln in der schwarzen Musikszene der US-amerikanischen Südstaaten liegen. Der Name seinerseits geht auf ein einfaches Spiel zurück, bei dem man raten ließ, wie viele Nüsse oder Kerne man in seiner Faust hielt. Dazu stellte man die Frage: „Hully Gully, how many?“ (“Halli Galli, wie viele?”)

Mumpitz

Bedeutet so viel wie „dummes Gerede“. Es entstand aus der Zusammensetzung von „Mumme“ (= Maske, verkleideter Mensch) und „Butz“ (einer alten Bezeichnung für Kobolde und Poltergeister). Der Mumbutz oder Mombotz war eine furchteinflößende Gestalt, ein Schreckgespenst. Im 19. Jahrhundert gelangte das Wort Mumpitz zu den Bankleuten, wo es die Bedeutung „lügnerisches Gerede“, „Schwindel“ annahm. Heute ist von der ursprünglichen Schreckgestalt nur noch eine harmlose Dummschwätzerei geblieben.

schnabulieren

Bei dem Wort hast du einen Vogel vor Augen? Kein Wunder, denn es handelt sich hierbei um eine scherzhafte Wortbildung zum Substantiv “Schnabel”. Schnabulieren können aber nicht nur unsere gefiederten Freunde, sondern alle, die gerne in aller Ruhe und mit viel Genuss essen. 

schnurzpiepegal

“Schnurz” hat einen lautmalerischen Ursprung und lässt an das Geräusch vom Naseschneuzen oder Pupsen denken. Sicher kennst du auch die Redewendung “Das ist mir pupsegal”.

“Piep” ist ein ursprünglich niederdeutscher Begriff zu “Piepe” = Pfeife (auf der gepfiffen wird). Dieser hat sich im 19. Jahrhundert wohl in Anlehnung an “auf etwas pfeifen” gebildet. “Schnurzpiepegal” oder “egalegalegal” ist also eine riesige Übertreibung von “egal”.

Singsang

Eintöniger Gesang, bei dem eine geringe Anzahl unterschiedlicher Töne melodisch wiederholt aneinandergereiht wird, unmusikalisches Singen

Tunichtgut

Jemand, der allerlei ungehörige und nichtsnutzige Dinge treibt

Wagemut

Abenteuerlust, Risikobereitschaft

Wonnemonat

Das ist ein anderes, poetisches Wort für “Mai”. Der fünfte Monat des Jahres hieß früher “winnimānōd”, was so viel wie “Weidemonat” bedeutet.

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Das schönste deutsche Wort

Und die Gewinner des Wettbewerbs Das schönste deutsche Wort sind …

Buchtipps, aber eher für Ältere …

Jutta Limbach (Hg.): Das schönste deutsche Wort: Liebeserklärungen an die deutsche Sprache. HERDER spektrum, 2006