Kapitel "Spieglein, Spieglein an der Wand – nenn mir das schönste Wort im ganzen Land"

Spieglein, Spieglein an der Wand – nenn mir das schönste Wort im Land!

Es lässt die Zunge hüpfen und die Ohren flat­tern. Es erzeugt das schön­ste Kopfki­no und lässt das Herz tanzen — das Lieblingswort. Wie lautet deines?  

Der Text fürs Ohr

Woher die Zitate stammen …

Jut­ta Lim­bach (Hg.): Das schön­ste deutsche Wort. Liebe­serk­lärun­gen an die deutsche Sprache. Herder-Spek­trum Bd. 5801, Freiburg, Basel, Wien 2006.

Wörterbuch zum Text

Arglist

Hin­terlist, Heimtücke

Einfalt

Früher ver­stand der Men­sch darunter die „reine Beschaf­fen­heit des Gemütes“, also etwas Gutes. Heute wird „Ein­falt“ im alltäglichen Sprachge­brauch eher mit „Dummheit“ gle­ichge­set­zt.

Backfisch

Früher: ein unreifes Mäd­chen im Alter zwis­chen dreizehn und siebzehn Jahren, das noch nicht „fer­tigge­back­en“, also erwach­sen war; heute: ein leck­eres Fis­chgericht

doppelt gemoppelt

„Gemop­pelt“ bedeutete früher „paus­bäck­ig, fett“. Ist also jemand „dop­pelt gemop­pelt“, drückt das eine Übertrei­bung von „dick sein“ aus. Heute wird dop­pelt gemop­pelt ver­wen­det, um auszu­drück­en, dass etwas über­flüs­siger­weise dop­pelt ist

Firlefanz

Reimt sich auf Tanz, und das aus gutem Grund, denn es beze­ich­nete im 14. Jahrhun­dert einen när­rischen Tanz. Das Wort ent­stand durch Über­nahme des alt­franzö­sis­chen „vire­lai“, das Ringel­lied bedeutet. Daraus wurde im Deutschen zunächst „firelei“ und „fir­lefei“, dann in Anlehnung an „Tanz“ und „Alfanz“ (= Pos­sen, Gaukelei) schließlich Fir­lefanz. Die Bedeu­tung wurde im Laufe der Zeit von ver­rück­ter Hüpfer­ei aus­gedehnt auf Unsinn, Albern­heit, Flit­terkram und Tand.

Habseligkeiten

Küm­mer­lich­er Besitz, der aus meist weni­gen wert­losen Din­gen beste­ht.

Der Musik­er Gun­der­mann trug immer einen kleinen Met­al­lkof­fer, darin seine Hab­seligkeit­en, mit sich und sagte ein­mal dazu:

»Ich habe nie das, was ich will, aber immer das, was ich brauche«

Ger­hard Gun­der­mann

Halligalli

beze­ich­net heute ein aus­ge­lassenes Treiben, ein fröh­lich­es Miteinan­der. Seine englis­che Herkun­ft sieht man dem Wort nicht mehr an: Der Hul­ly Gul­ly war ein Mod­e­tanz der 1960er Jahre, dessen Wurzeln in der schwarzen Musik­szene der US-amerikanis­chen Süd­staat­en liegen. Der Name sein­er­seits geht auf ein ein­fach­es Spiel zurück, bei dem man rat­en ließ, wie viele Nüsse oder Kerne man in sein­er Faust hielt. Dazu stellte man die Frage: „Hul­ly Gul­ly, how many?“ („Hal­li Gal­li, wie viele?“)

Mumpitz

Bedeutet so viel wie „dummes Gerede“. Es ent­stand aus der Zusam­menset­zung von „Mumme“ (= Maske, verklei­de­ter Men­sch) und „Butz“ (ein­er alten Beze­ich­nung für Kobolde und Pol­ter­geis­ter). Der Mum­butz oder Mom­botz war eine furchte­in­flößende Gestalt, ein Schreck­ge­spenst. Im 19. Jahrhun­dert gelangte das Wort Mumpitz zu den Ban­kleuten, wo es die Bedeu­tung „lügner­isches Gerede“, „Schwindel“ annahm. Heute ist von der ursprünglichen Schreck­gestalt nur noch eine harm­lose Dumm­schwätzerei geblieben.

schnabulieren

Bei dem Wort hast du einen Vogel vor Augen? Kein Wun­der, denn es han­delt sich hier­bei um eine scherzhafte Wort­bil­dung zum Sub­stan­tiv “Schn­abel”. Schnab­u­lieren kön­nen aber nicht nur unsere gefiederten Fre­unde, son­dern alle, die gerne in aller Ruhe und mit viel Genuss essen. 

schnurzpiepegal

„Schnurz“ hat einen laut­ma­lerischen Ursprung und lässt an das Geräusch vom Nas­eschneuzen oder Pupsen denken. Sich­er kennst du auch die Redewen­dung „Das ist mir pupse­gal“.

„Piep“ ist ein ursprünglich niederdeutsch­er Begriff zu „Piepe“ = Pfeife (auf der gep­fif­f­en wird). Dieser hat sich im 19. Jahrhun­dert wohl in Anlehnung an „auf etwas pfeifen“ gebildet. „Schnurzpiepe­gal“ oder „egale­gale­gal“ ist also eine riesige Übertrei­bung von „egal“.

Singsang

Ein­töniger Gesang, bei dem eine geringe Anzahl unter­schiedlich­er Töne melodisch wieder­holt aneinan­derg­erei­ht wird, unmusikalis­ches Sin­gen

Tunichtgut

Jemand, der aller­lei unge­hörige und nicht­snutzige Dinge treibt

Wagemut

Aben­teuer­lust, Risikobere­itschaft

Wonnemonat

Das ist ein anderes, poet­is­ches Wort für „Mai“. Der fün­fte Monat des Jahres hieß früher “win­nimānōd”, was so viel wie “Wei­de­monat” bedeutet.

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Jut­ta Lim­bach (Hg.): Das schön­ste deutsche Wort: Liebe­serk­lärun­gen an die deutsche Sprache. HERDER spek­trum, 2006